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Freiwillige Feuerwehr Gräfelfing e.V.

Geschichte

125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gräfelfing

125 Jahre sind vergangen, seit sich eine handvoll Männer in Gräfelfing zusammengetan haben, um eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Über 12 Jahrzehnte, in denen Freiwillige bereit waren anderer Hab und Gut zu schützen und deren Tätigkeit man allzu gerne in unseren Tagen als selbstverständlich hinnimmt. Grund genug ein wenig in der Chronik zu blättern.

Die Freiwillige Feuerwehr, die im Jahre 1890 gegründet wurde, war der erste Ortsverein der Gemeinde Gräfelfing. Vor diesem Zeitpunkt gab es – wie zu der damaligen Zeit vielfach üblich - nur eine Pflichtfeuerwehr, die sogenannte Gemeindefeuerwehr, in der alle männlichen Bürger vom 20. bis zum 60. Lebensjahr zum Dienst verpflichtet waren.

In den Nachbargemeinden Planegg, Großhadern und Neuried gab es aber bereits sogenannte „freiwilligen Corps“ und nachdem diese Gemeinden beste Erfahrungen gemacht hatten, erging, ausgelöst unter anderem von Pfarrer Simon Spitzelsberger, ein entsprechender Aufruf an die damals 310 Gemeindeeinwohner.

Von den 60 Mitgliedern der Pflichtfeuerwehr meldeten sich daraufhin 44 zum Eintritt in eine Freiwillige Feuerwehr. Die erste Gründungsversammlung fand am 21. September 1890 statt und bereits am 23. November des gleichen Jahres erfolgte die Aufnahme in den Bayerischen Feuerwehrverband.

Der Verwaltungsrat setzte sich wie folgt zusammen: Vorstand Pfarrer Simon Spitzelsberger, Kommandant Bürgermeister Max Urban, Adjutant Franz Deschler, Schriftführer Florian Friedinger, Kassier Josef Weinbuch und Zeugwart Bernhard Liebhard.

Der Mannschaftsstand umfasste neben dem Verwaltungsrat weitere 38 Mann in den Funktionsbereichen Steigerzug (7 Mann), Spritzenmannschaft (20 Mann), Ordnungsmannschaft (9 Mann) und zwei Signalisten.

Dem ersten Vorstand Simon Spitzelsberger folgte später der Lehrer Mathias Zeichfiesel. Eine Sonderstellung nimmt der spätere Bürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Josef Huber ein, denn insgesamt 30 Jahre lang hatte er das nicht immer leichte Amt des Vorstandes inne. Besonders schwer hatte es Philipp Höfer in seiner 10-jährigen Tätigkeit nach dem Kriege. Aus der Reihe der Kommandanten seien einige herausgegriffen, deren Namen heute noch den alten Gräfelfingern ein Begriff sind, nämlich Max Urban (13 Jahre), Peter Oettl (15 Jahre), Josef Weinbuch (16 Jahre), Michael Triller (6 Jahre), Georg Albert (5 Jahre), Johann Wittmann (20 Jahre) und Wolfgang Summer (29 Jahre). Es gehörte schon Freude an der Sache dazu, wenn man wie Bertl Bierschneider oder Johann Bader 25 bzw. 17 Jahre lang das Amt des Schriftführers versieht, oder wenn Kameraden wie Rauschecker oder Franz Drexler 20 bzw. 16 Jahre lang als Kassier tätig waren. Die Zeugwarte Josef Sturm (1904 - 1932), Franz Helmbrecht (1936 - 1953) und Hasso Betz (1962 -1976) konnten auf eine nicht minder lange Amtszeit zurückblicken.

Mehrere Kameraden wurden wegen besonderer Verdienste bzw. langjähriger Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt. Dies sind die Kameraden Josef Weinbuch † - Ehrenbürger der Gemeinde und Ehrenkommandant, Josef Gampenrieder †, Josef Mayer †, Franz Helmbrecht †, Philipp Höfer † - Ehrenvorstand, Albert Bierschneider †, Markus Winter † - Ehrenvorstand, Walter Markgraf - Ehrenvorstand, Michael Triller † - Ehrenkommandant, Johann Wittmann - Ehrenkommandant und Ehrenkreisbrandinspektor, Wolfgang Summer - Ehrenkommandant und Ehrenkreisbrandmeister, Leo Bachhuber † - Altbürgermeister, Karl Heilmann † - Ehrenkreisbrandmeister, Anton Kast †, Franz Drexler †, Walter Reuß †, Walter Schwitz, Johann Voggenreiter, Dr. Eberhard Reichert und Christoph Göbel, Altbürgermeister.

Die Ausrüstung war denkbar bescheiden. Neben einer Handpumpe und zwei Hydrantenwagen gab es eine Trageleiter mit Stützstangen, zwei Feuerhaken und 200 m Schlauchmaterial. Sie waren in zwei Gerätehäusern, oder wie man damals so schön sagte, „Spritzenhäusern“ untergebracht. Die alten Gräfelfinger erinnern sich noch an das Gerätehaus an der Würmstraße in der Nähe des ehemaligen Modedruckgebäudes und an das Haus in Altlochham neben dem heutigen Jugendfreizeitheim auf dem heutigen Bürgermeister Huber-Platz.

1908 erreichte der aktive Mannschaftsstand die beachtliche Stärke von 72 Mann.

Die Unterbringung von Fahrzeugen und Geräten erfuhr im Jahre 1909 eine Verbesserung, als die Gemeinde das ehemalige Schulhaus an der Pasinger Straße zur Verfügung stellte (frühere Anwesen Weih). 1951 wurde dann das Feuerwehrgerätehaus an der Bahnhofstraße (heute MHD) mit einem Kostenaufwand von rund 100.000 DM erstellt. In den Jahren 1928 bis 1944 gab es darüber hinaus auf dem Gelände des heutigen Rudolf-von-Hirsch-Platzes ein eigenes Gerätehaus der Abteilung Waldheim (neben den Abteilungen „Gräfelfing“ und „Lochham“).

Anfang der siebziger Jahre platze auch dieses Haus schon wieder aus allen Nähten. Durch das große Engagement von Vorstand Markus Winter und Kommandant Johann Wittmann wurde vom Gemeinderat beschlossen, in unmittelbarer Nähe für 2,4 Millionen DM ein neues Gerätehaus zu bauen, dessen Räumlichkeiten 1976 feierlich eingeweiht wurden. Im Jahre 2006 wurde begonnen, das bestehende Gerätehaus nach über 30 Jahren den aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen anzupassen, was insbesondere erhebliche räumliche Erweiterungen zur Folge hatte. Die Maßnahmen konnten im Frühjahr 2010 erfolgreich abgeschlossen werden. Somit zählt es nach wie vor zu den modernsten Gerätehäusern in der näheren und weiteren Umgebung.

Der 17. November 1929 wurde zu einem weiteren denkwürdigen Tag, denn die erste Motorspritze konnte in Betrieb genommen werden. 1941 erhielt die Feuerwehr ein für damalige Verhältnisse hochmodernes Löschfahrzeug, ein LF 8. Das 1956 in Dienst gestellte Tanklöschfahrzeug TLF 16 ermöglichte einen noch rascheren und wirkungsvolleren Einsatz. Es kostete übrigens den respektablen Betrag von 45.000 DM. Dieses Fahrzeug wurde erst 1984 außer Dienst gestellt. In den sechziger, siebziger und achtziger Jahren musste die Ausrüstung laufend durch Fahrzeuge und Geräte erweitert bzw. erneuert werden, um der ständig steigenden Einwohnerzahl und wachsender Industrie mit erhöhten Anforderungen gerecht zu werden. Auch das Aufgabengebiet der Feuerwehr wurde umfangreicher, insbesondere auf dem Gebiet der Technischen Hilfeleistung. Unter anderem wurden 1965 ein weiteres Löschfahrzeug, 1970 eine Drehleiter, 1972 ein Rüstwagen und 1984 ein weiteres Tanklöschfahrzeug beschafft; ihnen folgten neben Ersatzbeschaffungen mit entsprechend neuerer Technik, weitere Erweiterungen des Fuhrparks.

Bereits 1964 konnte die Sirenenalarmierung durch eine sogenannte stille Alarmierung (Funk) ersetzt werden. Aktuell steht die Umstellung auf digitalen Funk an.

Die Chronik wäre unvollständig würde nicht auch kurz über die Einsätze der Wehr, über die fein säuberlich Buch geführt wurde, berichtet werden. Da liest man beispielsweise von einem Großbrand 1889 in Planegg, vom Brand des Anwesens Killer am 25.12.1908, von Großbränden in der Sperrholzfabrik Wolf 1933/35, Anwesen Klostermeier im Oktober 1963, Stadelbrand im Gut Planegg 1967, Großfeuer in den Gebäuden des Modedruckes 1968/69/70, Großfeuer Rundfunkblöcke 1971 und Brand in der Krämermühle 1976, Großbrand der Technischen Universität in Garching, Peroxyd in Höllriegelskreuth 1982, Hagelunwetter 1984, Orkan Wibke 1990, Tankzugbrand auf der Autobahn A 96 2007, vom Hochwasser in Eschenlohe 2005 (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) sowie Hochwasser Landkreis Rosenheim und Pfaffenhofen 2013, 25-Hektar-Waldbrand in Gräfelfing 16.4. 2009 und vielen anderen nicht gerade erfreulichen Anlässen.

Während es früher mit ein bis zwei Ernstfällen getan war, musste die Feuerwehr bereits in den sechziger Jahren durchschnittlich 20 - 25mal im Jahr zu Hilfeleistungen ausrücken, während heutzutage bis zu 350 Einsätze jährlich bewältigt werden müssen.

In Zusammenhang mit der Chronik sollen Freundschaften und Partnerschaften mit anderen Feuerwehren nicht unerwähnt bleiben. 1987 schlossen die Feuerwehren Zauchen (Steiermark) und Gräfelfing eine Partnerschaft, die aus einer Freundschaft des Kameraden Anton Kast mit einigen Mitgliedern der Feuerwehr Zauchen entstanden ist.

Durch die Öffnung der Grenzen zur DDR im Herbst 1989 wurde spontan eine Freundschaft mit der Feuerwehr Zschorlau im Erzgebirge geschlossen und mit der Schenkung unseres alten LF16/TS gekrönt. 2010 erhielt die Feuerwehr Zschorlau unser ausgemustertes Tanklöschfahrzeug 24/50. Das 1989 geschenkte alte LF 16/TS wurde im Gegenzug wieder in seine alte Heimat Gräfelfing überführt, wo es als Oldtimer für „Repräsentationszwecke“ zur Verfügung steht. Eine weitere enge Verbundenheit besteht seit Mitte der 90er Jahre auch mit der Feuerwehr Marling in Südtirol.

Die Freiwillige Feuerwehr Gräfelfing ist stolz auf die Verbundenheit mit der Bevölkerung und das Vertrauen, das ihr entgegen gebracht wird. Sie wird versuchen sich dieses Vertrauens würdig zu erweisen und immer bereit sein, getreu dem Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

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